Rassebedingte Gotterkenntnis

Antisemitischer Weltanschauungsverein lässt sich in Brandenburg nieder

Schon 1999 hatte der "Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V." (BfG) ein Grundstück in Brandenburg-Kirchmöser erworben. Die Sanierung und der Ausbau des Bauernhofs ziehen sich allerdings in die Länge. Immerhin aber feierte der BfG vor wenigen Wochen den Abschluss des ersten Bauabschnitts. Ab jetzt können im Haus Tagungen stattfinden, später sollen auch Freizeiten angeboten werden.
 
Ein Vereinshaus wie jedes andere entsteht in Brandenburg-Kirchmöser aber nicht. Denn der BfG propagiert Lehren, die als rechtsextremistisch gelten müssen. Deshalb wird der Verein vom Verfassungsschutz beobachtet.

In Brandenburg hatte der BfG früher nur gelegentlich seine Schriften verbreitet, aber keine Strukturen aufgebaut. Deshalb war er im brandenburgischen Verfassungsschutzbericht bisher nur einmal, im Jahre 1997, erwähnt worden (vgl. den unten als Download angebotenen Text). Jetzt aber ist er in Brandenburg präsent. Und obwohl er seine neue Niederlassung nicht selber publik gemacht hat, ist dieses "Haus Märkische Heide" durch einen Zeitungsartikel ("Märkische Allgemeine/Brandenburger Stadtkurier" vom 29./30. Juni) nunmehr der Öffentlichkeit bekannt.  Grund genug, näher hinzuschauen, wer sich in diesem Haus tummeln wird!

Der 1937 gegründete Weltanschauungsverein ist auf die Lehren der 1966 gestorbenen Mathilde Ludendorff eingeschworen. In ihrem Geiste verkündet er ein "Gotterleben", das als "Erbgut" im Unterbewusstsein der Menschen angelegt sei - aber in jeder Rasse auf andere Weise! Deshalb wird "Rassemischung", da sie "Rasseerbgut" verstreue, strikt abgelehnt. Von hier ist nur ein kleiner Schritt zu den antisemitischen Auslassungen, die für den BfG charakteristisch sind.

Kein Wunder, dass Mathilde Ludendorff sich nach dem 2. Weltkrieg wegen außerordentlicher Begünstigung des Nazismus verantworten musste. Der BfG als Verein wurde 1961 wegen Verfassungsfeindlichkeit verboten, das Verbot aber 1976 aus Verfahrensgründen wieder aufgehoben.

Heute gehören dem BfG mit Sitz im bayerischen Tutzing vor allem ältere Leute an, Nachwuchs bleibt rar. Für "gewöhnliche", aktionsbegierige Rechtsextremisten sind die verstiegenen Lehren des BfG und sein volkstümelndes Gebaren in der Regel wenig anziehend. Mehr als Seminare, Trachtenfeste, Tanzkurse wird man im "Haus Märkische Heide" also kaum erleben. Aber Rassismus und Antisemitismus sind auch dann gefährlich, wenn sie nicht gewaltförmig in Erscheinung treten, sondern "bloß" als Hirnvernebelung.