Soziale Netzwerke
Die gläserne Identität
Xing, Facebook, StudiVZ & Co
Soziale Netzwerke sind Kontaktnetze im Internet, das heißt Internetforen oder Plattformen, um Menschen mit gleichen Interessen, Hobbys oder bestimmten Wissensgebieten zu finden und mit diesen Informationen auszutauschen. In den letzten Jahren hat sich in diesem Bereich des Internets ein riesiger Markt entwickelt, auf dem sich eine unüberschaubare und stetig wachsende Zahl von Anbietern tummelt. Soziale Netzwerke gehören mittlerweile zu den beliebtesten Internetseiten. Etwa ein Viertel aller Deutschen nutzen Soziale Online-Netzwerke regelmäßig – Tendenz steigend.
Vielen Anwendern ist dabei allerdings nicht bewusst, welche Probleme die digitale Kontaktpflege mit sich bringt. So besteht beispielsweise die Gefahr, dass Profile und persönliche Daten ganz gezielt durch Hacker und Online-Kriminelle ausgespäht und für ihre Zwecke missbraucht werden. Darüber hinaus haben zahlreiche Untersuchungen gezeigt, dass nicht alle Anbieter solcher Kontaktnetze die Daten ihrer Nutzer ausreichend vor Angriffen von außen schützen.
Auch fremde Nachrichtendienste zählen zu den eifrigen Nutzern Sozialer Netzwerke. Im Bereich der Wirtschaftsspionage werden Soziale Netzwerke beispielsweise dazu genutzt, um Personen zu ermitteln und zu kontaktieren, die einen Zugang zu einem Unternehmen beziehungsweise zu sensiblen Informationen und Firmengeheimnissen ermöglichen können. Bei Interesse an einem bestimmten Wirtschaftszweig oder einer innovativen Branche, einem Produkt oder einer speziellen Firma, haben Nachrichtendienste die Möglichkeit, automatisiert interessante Personendaten aus dem Netz zu filtern - geordnet nach Geschlecht, Alter, Wohnanschrift, Bildung, Ausbildung, Spezialkenntnissen, Beruf, Firma, Interessenlage, Hobbys, persönlichen Neigungen, Forenkommentaren, Bildern oder sonstigen Kriterien, die als Ansatzpunkt für eine scheinbar unverfängliche Kontaktaufnahme dienen können.
All diese Informationen werden ohne großen Aufwand vom Schreibtisch aus erlangt. Hierbei können Mitarbeiter eines Nachrichtendienstes als Mitglied der Community (mit falschem Namen natürlich) gefahrlos Kontakte knüpfen und Beziehungen zu Zielpersonen aufbauen. Alle interessanten Daten werden frei Haus geliefert.
Von der Hisbollah verführt
Wie leicht selbst Sicherheitsbereiche durch diese Form der Online-Spionage infiltriert werden können, macht das folgende Beispiel aus Israel deutlich:
Niemandem gelang es bisher, so tief in das Innenleben einer Eliteeinheit der israelischen Armee einzudringen wie Reut Zukerman. Die attraktive junge Frau stand per Facebook mit über zweihundert Elitesoldaten des militärischen Abschirmdienstes in Kontakt. Auf dem Foto ihre Facebook-Seite präsentierte sie sich auf einem Sofa liegend mit einem sympathischen und gewinnenden Lächeln. Niemand ahnte, dass sich hinter der schönen Facebook-Freundin in Wirklichkeit die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah versteckte. Sukzessive gelang es der Hisbollah, sich durch das gefälschte Facebook-Profil das Vertrauen der Elitesoldaten zu erschleichen. Ganz nebenbei verrieten die israelischen Soldaten auf diese Weise Namen von Kameraden, Geheimcodes, detaillierte Beschreibungen der Stützpunkte und andere brisante Informationen. Erst die zunehmend hohe Anzahl von Soldaten auf Zukermans Freundesliste sorgte für Misstrauen und führte nach Ermittlungen der israelischen Armee dazu, dass das gefälschte Profil von Reut Zukerman bei Facebook gelöscht wurde. Der entstandene Schaden durch den erfolgreichen Spionageangriff der Hisbollah war nicht so leicht zu beseitigen.
Selbstverständlich werden Soziale Netzwerke nicht nur von militärischen Organisationen oder fremden Nachrichtendiensten für ihre Zwecke genutzt. Auch Kriminelle und Industriespione sammeln auf diesem Wege Informationen und betreiben Konkurrenzausspähung. Informationen aus Sozialen Netzwerken können dabei zum einen zur Vorbereitung eines Social Engineering-Angriffs genutzt werden. Zum anderen können sie aber auch als Grundlage für strafrechtlich relevante Handlungen wie Erpressung oder Nötigung dienen. Gerade kompromittierende Informationen sind für fremde Nachrichtendienste von unschätzbarem Wert, insbesondere wenn es darum geht, bei der „Kooperationsbereitschaft“ einer Zielperson nachzuhelfen.
Die wichtigste Regel bei der Nutzung von Sozialen Netzwerken lautet daher: „Veröffentlichen Sie nur das im Internet, was Sie auch in zehn oder zwanzig Jahren noch von oder über sich lesen bzw. anschauen möchten.“
Die Goldenen Regeln
Grundsätzlich sollten zumindest folgende Punkte beachtet werden:
- Machen Sie sich mit den Datenschutzregeln des Anbieters vertraut
- Geben Sie möglichst keine privaten Daten und Informationen an
- Gestatten Sie nur ausgewählten Personen Zugang zu Ihren persönlicher Daten
- Seien Sie zurückhaltend bei der Veröffentlichung von Bildern, Videos und Texten
- Verwenden Sie nur sichere Passwörter
- Verwenden Sie in verschiedenen Sozialen Netzwerken unterschiedliche Passwörter
- Vertrauen Sie nicht der Identität Ihres „Gegenüber“ bei Kontaktanfragen
- Erkundigen Sie sich im Zweifel außerhalb des Sozialen Netzwerkes nach der Vertrauenswürdigkeit eines neuen Kontaktes
- Seien Sie vorsichtig bei persönlichen Treffen mit Chat-Partnern
- Auch in Sozialen Netzwerken können Viren und andere Schadprogramme verbreitet werden
- Geben Sie niemals vertrauliche Informationen über Ihren Arbeitgeber oder ihre Arbeit preis
- Löschen Sie nicht nur die Profildaten sondern das gesamte Benutzerkonto wenn Sie Ihre Mitgliedschaft beenden
Geben Sie in Sozialen Netzwerken nur das preis, was Sie auch an einer Litfaßsäule in irgendeiner Stadt dieser Welt über sich veröffentlichen würden.
eingestellt am 2. August 2010


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