Neonationalsozialisten am 01.05.2010 – von einer „nationalen Einheit“ weit entfernt
Rechtsextremistische Szene blickt auf einen mageren und bescheidenen 1. Mai 2010 zurück
Obwohl in den einschlägigen Internetforen und auf den zahlreichen Homepages monatelang für die verschiedenen Demonstrationen im Bundesgebiet geworben wurde, ist es der Szene einmal mehr nicht gelungen, eine zentrale Veranstaltung zu organisieren, auf der sich die Ewiggestrigen als Einheit und „Volksgemeinschaft“ präsentieren konnten.
Im Gegenteil: Die teils heftigen und emotionalen Diskussionen im Vorfeld über das eigene Demonstrationskonzept und über die Frage, ob man sich an einem solchen Tag eher zentral oder dezentral aufstellen solle, werden auch nachträglich unverändert fortgeführt und dokumentieren eine tiefe Kluft zwischen verschiedenen Lagern und Strömungen innerhalb der rechtsextremistischen Szene.
Während einige Rechtsextremisten darüber jubeln, dass die „Taktik der Dezentralisierung voll aufgegangen“ sei und dass „Deutschlands Straßen stellenweise zurückerobert“ worden seien, beschreiben andere den 1. Mai als „absolutes Armutszeugnis für die Nationale Bewegung“. Jedes Nest, so wird kritisiert, mache seine eigene Demo, die „Bewegung“ blute langsam aus. Es sei derzeit unmöglich, ein Zeichen der Stärke zu setzen.
Besonders kritisiert werden die „Nationalen Sozialisten in Südbrandenburg“, die insbesondere in Ostdeutschland nachhaltig Werbung für ihren eigenen Aufzug im sächsischen Hoyerswerda betrieben, jetzt aber als „Karnevalisten“ bespottet werden. Ihr „Volkstod“-Konzept sei ausgelutscht, die politische Ausrichtung der „Bewegung“ trete hinter lächerlichen „Verkleidungsspielchen und Hooligan-Getue“ zurück.
Insgesamt beteiligten sich etwa 3500 Rechtsextremisten an insgesamt sieben Demonstrationen. Damit sank das Teilnehmerpotenzial im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent. Im Jahr 2009 gelang es der neonationalsozialistische Szene, rund 4000 Gleichgesinnte anlässlich des 1. Mai zu insgesamt zwölf Veranstaltungen zu lotsen. Ein weiterer Blick auf das Jahr 2008 (3900 Teilnehmer, verteilt auf sechs Veranstaltungen) zeigt das stark begrenzte Mobilisierungspotenzial des Rechtsextremismus, jedenfalls für diesen Anlass.
Die meisten Teilnehmer im Jahr 2010 scheint mit rund 1000 Personen ein Aufzug in Schweinfurt (Bayern) mobilisiert zu haben. Organisiert wurde die Veranstaltung von einem Netzwerk der lokalen NPD und befreundeter „Freier Kräfte“.
Was vom 1. Mai 2010 bleibt, ist zum einen eine zerstrittene rechtsextremistische Szene, die sich ihre missratenen Demonstrationen verzweifelt schönredet und immer noch vom Glauben lebt, „massive Medienpräsenz“ erzeugt zu haben. Zum anderen sind es Städte, in denen Neonationalsozialisten durch kreative und glaubwürdige Protestbewegungen dem braunen Spuk nur eine Randrolle genehmigt und der Demokratie zu ihrem verdienten Sieg verholfen wurde.
eingestellt am 05.05.2010


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