Musik und Extremismus

Linksextremistische Hass-Musik: "Dein Blut fließt über den Asphalt"

Hass-Musik hat für die extremistische Szene eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Sie mobilisiert und beeinflusst gerade junge Menschen. Oft wird besungen, was sich dann in Straftaten Bahn bricht. Rechtsextremistische Hass-Musik strotzt vor strafbaren und indizierten Texten. Menschenverachtung und Gewaltaufrufe sind Programm. Doch Hass-Musik ist nicht dem Rechtsextremismus vorbehalten.

Linksextremstische Gewalt richtet sich immer wieder gegen Polizisten. Das unterstreichen Texte linksextremistisch motivierter Hass-Musik. Ein Beispiel dafür ist die im Strausberger Jugendclub „Horte" auftretende, ebenfalls aus Strausberg stammende Band „B.T.M". Die Band beschreibt ihren Stil als „Streetpunk"; Hass-Punk wäre jedoch treffender. In dem Song „A.C.A.B." (die Abkürzung steht für "All cops are bastards" = "Alle Polizisten sind Bastarde") wird die Polizei verunglimpft und zu Gewalt aufgerufen: „ ... ohne Skrupel macht ihr Menschen kalt / Knüppel raus – gewaltbereit ... Bullenterror Tag und Nacht ... doch die Steine werden fliegen! ... werden euch die Knüppel klauen und euch in die Fresse haun ... All cops are bastards". Ähnliche Inhalte finden sich bei „B.T.M." im Song „Time to fight": „Täglich streiten sich ‚Demokraten’ ... Völlig sinnlose Diskussionen / Das brauchen wir nicht, das hatten wir schon ... Ja dann werden wir auf die Strasse gehn' und über den Gesetzen stehn' / Den Faschos auf die Fresse haun' ... Dann ham' wir unsern eigenen Staat / Kein Kanzler und kein Bundesrat ... it's time to fight!!!". Betrieben wird der Strausberger Jugendclub „Horte" vom „Alternativen Jugendprojekt 1260 e.V.". Die Vereinshomepage führt „B.T.M" unter „Bandprojekte".

Am 14. Mai 2010 wollen die Hass-Punker „B.T.M." in der Neuruppiner Jugendeinrichtung „JWP MittenDrin e.V." auftreten. Dort spielt immer wieder die ebenfalls aus Neuruppin stammende Band „Krachakne". Mit dem Song „Schieß doch Bulle" legt sie eine gewaltorientierte und damit demokratiefeindliche Haltung an den Tag: „1. Mai, alles brennt / auch schön wie dieser Wichser rennt / dieser kleine miese Bulle / zu ihm fliegt gleich die erste Pulle".

Im „JWP MittenDrin e.V." war auch schon der Hamburger Hass-Musiker „MC Holger Burner" Gast. Er steht für zynische wie menschenverachtende Texte. Im Song „Hass" heißt es: „Wir haben Hass auf die Polizei / Hass auf den Staat / Hass auf eure Fressen, Hass / Auf die Waffen, die ihr tragt / Hass auf die Art, wie ihr Massen verarscht / Du würdest niemals glauben / Wie viel Hass ich noch hab ... Wir ham euch etwas mitgebracht / Hass, Hass, Hass".

Das sind keine Einzelfälle. Aus Brandenburg/Havel kommen „DieVisitor". Im Song „Cop Killer" verherrlichen auch sie brutale Gewalt gegen Polizisten: "All cops are bastards / scheiß Bullenpack / Dein Blut fließt über den Asphalt! / Deine Kollegen mach ich schon noch kalt! / Cop Killer". Auf MySpace lässt sich sogar ein dazugehöriges Musik-Video über die dortige Band-Seite abrufen.

Rechts- wie Linksextremisten verfolgen mit ihrer politisch motivierten Hass-Musik Bestrebungen, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten. Sie nutzen solche Musik, um bestimmte Gruppen der Gesellschaft zu entwürdigen und zu entmenschlichen. Und es wird gegen verunglimpfte 'Feinde' zu Gewalt aufgerufen. Das schließt die Propagierung von Mord- und Totschlagfantasien ausdrücklich mit ein.

Solche Gewaltverherrlichung ist nicht nur Fantasie in den Köpfen der Extremisten. Das zeigt die aktuelle Statistik des Bundesinnenministeriums (siehe hierzu unten Link 1). Bundesweit ist eine erhebliche Zunahme linksextremistischer Gewaltstraftaten zu verzeichnen. Gegenüber 2008 stiegen sie im Jahr 2009 um 56,3 Prozent auf 1.096 Delikte an (rechtsextremistische Gewaltstraftaten 2009: 891). Gegen den Bundestrend nahm die Zahl linksextremistischer Gewaltdelikte in Brandenburg 2009 jedoch ab (2009: 26; 2008: 34). Auch rechtsextremistische Gewalttaten sind im Land rückläufig (2009: 69; 2008: 71) - siehe hierzu unten Link 2.

Der freiheitliche demokratische Rechtsstaat darf nicht zulassen, dass gegen Gruppen von Menschen zu Gewalt aufgerufen wird. Das gilt auch bei der Bekämpfung linksextremistischer Hass-Musik. Ein wirksames Zurückdrängen von Extremismus ergibt sich aus dem Zusammenwirken von Repression, Prävention und Mündigkeit der Bürger.

Gehandelt haben beispielsweise die Berliner Falken. Sie veranstalteten am Pfingstsonntag 2007 ein Camp zum G8-Gipfel. Abschluss sollte ein Konzert des Linksextremisten "MC Holger Burner" sein. Seine Hass-Texte sorgten jedoch für große Empörung unter Camp-Teilnehmern. Das Konzert musste vorzeitig beendet werden. Kurz darauf distanzierten sich die Berliner Falken von "MC Holger Burner" und entschuldigten sich beim Publikum für dessen „antisemitische und antizionistische Aussagen".

Link 1: Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums vom 23.03.2010 "Politisch motivierte Gewalt im Jahr 2009"

Link 2: Pressemitteilung des Ministeriums des Innern des Landes Brandenburg Nr. 023/2010 vom 03.03.2010 "Weniger Straftaten im Land und leichtes Plus bei Aufklärungsquote der Polizei"


 Erscheinungsdatum: 09. April 2010